
Umfassend war der Überblick, den diverse Experten zum aktuellen bundes- und landesweiten Stand rund um TQs gaben. Zudem wurde diskutiert, wie TQs nachhaltig und ganzheitlich in die Strukturen der beruflichen Weiterbildung im Land Bremen eingebettet werden können.
Den Einstieg in den Fachtag gab Dr. Martin Noack, Senior Expert Betriebliche Bildung und Weiterbildung der Bertelsmann Stiftung mit seinem Impulsvortrag. Er stellte darin eindrücklich dar, dass für Ungelernte auch mit einer oder mehreren TQs schon die Besetzung einer Fachkraftstelle möglich ist – ohne Berufsabschluss. Wer nach einer TQ weitermache und letztlich den Berufsabschluss erreiche, könne die vorhandenen Kompetenzen auch beim Stellenwechsel nachweisen und sich damit für entsprechende Entlohnung qualifizieren. Damit seien TQs ein wichtiger Baustein, um Fachkräftelücken zu füllen. Grundsätzlich gelte es aber, die Finanzierung auch mehrerer TQs zu sichern.

Reiner Engel, Geschäftsführer von TERTIA und Vorstandsmitglied im Bundesverband der Träger beruflicher Bildung (BBB) stellte das Portal MYTQ sowie dessen Inhalte und die Chancen vor, die sich durch die Zusammenarbeit der Bildungsträger ergeben. MYTQ (www.mytq.de) bietet ein bundesweit einheitliches und trägerübergreifendes Angebot an TQs. Durch die Zusammenarbeit der Bildungsträger kommen Kurse leichter zustande und Teilnehmende finden in regelmäßigen Abständen startende Kurse. Kritisch merkte Reiner Engel an, dass der Vertrieb von TQ zum Teil noch schwerfalle, weil diese bei Kostenträgern und Unternehmen zu wenig bekannt seien.
Wie viel Potenzial die einzelnen TQs im Bereich Berufskraftfahrer bieten, stellte anschließend Olaf Mittelmann, Geschäftsführender Vorstand der Straßenverkehrs-Genossenschaft Bremen eG in einem Good-Practice-Beispiel vor. Die Module für die TQ Güterverkehr und TQ Personenbeförderung seien so praxisnah gestaltet, dass je nach Berufswunsch schon eine Teilqualifizierung ausreiche, um eingestellt zu werden. Darauf aufbauend können noch weitere Module für eine Spezialisierung wie den Transport spezieller Güter oder das Führen von Bussen im Linienverkehr durchlaufen werden.
Peer Rosenthal – Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen sprach sich in seinem Vortrag für die Etablierung weiterer Maßnahmen aus, um den Teilnehmenden das Erreichen des Berufsabschlusses über TQs zu vereinfachen. So könnten sie sich langfristig sicher im Arbeitsmarkt etablieren. Dabei wies er auch auf die Forderung der Arbeitnehmerkammer Bremen nach vier Garantien für wirksame Teilqualifizierungen hin, namentlich die Teilnahmegarantie, die Begleitgarantie, die Fördergarantie sowie die Angebotsgarantie (nachzulesen im Positionspapier – https://www.arbeitnehmerkammer.de/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/Positionspapier_Teilqualifizierungen.pdf).



Im Podiumsgespräch wurde über Potenziale und mögliche Risiken von TQs angeregt diskutiert. Zu den Impulsen der vorangegangenen Redner kamen weitere Standpunkte und Blickwinkel verschiedener Bremer Organisationen. Björn Reichenbach – Teamleiter in der Abteilung Aus- und Weiterbildung der Handelskammer Bremen – IHK für Bremerhaven sprach vom Vorrang der dualen Ausbildung und Umschulung aus Sicht der Handelskammer. Aktuell führten Teilqualifikationen zu selten zum Berufsabschluss. Zugleich betonte er, dass eine gezielte, branchenspezifische Ansprache von Betrieben durchaus Sinn ergeben könnte. Jörg Schäfer, Koordinator Weiterbildung für Arbeitssuchende der Handwerk gGmbH, verwies ebenfalls auf die Bedeutung der dualen Berufsausbildung für das Handwerk, trotzdem werde zu TQ beraten. Joachim Ossmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, betonte die Bedeutung von TQs als wertvolles Mittel zur Integration in Arbeit. Nicht jede Person sei bildungsbiografisch dazu veranlagt, einen Berufsabschluss zu erreichen. Die Finanzierung auch mehrerer TQ stelle kein Problem dar.
Mit Verweis auf die im Dezember 2025 veröffentlichte BIBB-Hauptausschussempfehlung zu Teilqualifikationen betonte Dr. Thorbjörn Ferber, Leiter der LABEW+, dass das Wirken in vernetzten Beratungsräumen die Voraussetzung für eine zielgerichtete Einzelkunden- aber auch Betriebsberatung sei.
Fazit
Der konstruktive Dialog, der nicht nur bestehende Fragen und Hürden benannte, sondern auch Lösungsansätze und gute Praxisbeispiele in den Fokus rückte, ermöglicht einen Landesdiskurs zum Thema TQ, der die bundesweite Entwicklung berücksichtigen sollte. Damit ist es gelungen, das Thema Teilqualifikationen öffentlichkeitswirksam aufzubereiten und das gemeinsame Verständnis zu vertiefen.
Teilqualifikationen können nur gemeinschaftlich zu einem wirksamen Qualifizierungsinstrument werden. Für die nachhaltige, strategische Integration in die bremische Bildungs- und Arbeitsmarktlandschaft bietet die LABEW+ ihre Unterstützung bei der Weiterentwicklung von vernetzten Beratungsstrukturen an.
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